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Ginga

They Should Have Told Us

Ginga sind die zurzeit spannendste Band aus Österreich. Zumindest im nicht-deutschsprachigen Sektor. Weil sie nichts von jener gewiss sympathischen, doch á priori defensiven Verhuschtheit haben, die lokale Künstler sonst so oft auszeichnet. Außerdem haben sie die Stadt- und Staatsgrenzen längst hinter sich gelassen. This is happening! Zeit, das auch laut zu sagen. Ihr - zunächst weithin unbeachtetes - 2008er- Debutalbum „They Should Have Told Us“ haben Alex Konrad, Emanuel Donner, Matthias Loitsch und Klemens Wihlidal tatsächlich neu aufgenommen, mit Daniel Rejmer (u.a. Nick Cave, Björk) als Produzent. Das ist Pop, wie Pop sein muss: voller Ungestümheit, Verve, Aufregung, Dynamik, Melodien, Wucht. In England würde man derlei „impact“ nennen, und, ja, Ginga haben auch dort schon erste Spuren hinterlassen. In Belgien wurde das alte, neue Album ebenfalls veröffentlicht. Und in Frankreich. Nach Auftritten beim PopFest Wien, beim EuroSonic Festival in Groningen und bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten quer durch Europa haben Ginga übrigens „They Should Have Told Us“ nochmals live eingespielt - und auf Vinyl veröffentlicht.
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Tracklist

  • 01. This Is Happening
  • 02. Fire
  • 03. Final Call
  • 04. Cinamon
  • 05. Fever
  • 06. Fashion
  • 07. They Should Have Told Us
  • 08. Sparkle & Shine
  • 09. We Are One
  • 10. Stagelights
  • 11. Up A Creek

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Ginga - Hörbeispiel

This is happening

Ginga sind tatsächlich diese gewisse Sorte Band. Die Sorte Band, bei der man nach dem ersten Anblick das Gefühl hat, dass nichts sie aufhalten kann, abgesehen von einem Flugzeugabsturz oder einem Wiener Blumentopf im freien Fall von einem Fenstersims im vierten Stock. Die Sorte Band, die einen an all die essentiellen Dinge erinnert, um die es bei wirklich großem Pop gehen sollte: Zum Beispiel die schiere Frechheit, eine Zeile wie “this goes out to every boy and girl” (aus “Fashion”) mit völlig unironischer Überzeugung zu singen. Oder das Talent, einen Song wie “Cinnamon” zu schreiben, der aus einem fernöstlichen Streicherintro in einem Melodie mündet, die nur so trieft vor brennenden Herzensqualen und der Aussicht auf Genugtuung. Oder die Fähigkeit, Leute, die noch nie ihre Musik gehört zu haben, zum Tanzen zu bringen. Oder den ungekünstelten, aber doch perfekt synchronisierten Look einer Gang von vier Jungs, zu der jedeR gern dazugehören würde. “We Are One,” wie eines ihrer mitreißend federnden Lieder glaubhaft behauptet: “We sing songs to stay awake!”
Diese Fertigkeit, mit textlichen Klischees und Referenzen zu spielen, sei es nun mit Absicht oder nicht (ein Schimmern der Waterboys hier, eine Dosis Modest Mouse da, vielleicht ein Stäubchen Radiohead), ist noch so eine jener unwiderstehlichen Pop-Qualitäten in Gingas Arsenal.

Ginga sind Sänger Alex Konrad, Klemens Wihlidal - für Keyboard, Gitarre, Melodica, Glockenspiel und Harmoniegesang zuständig -, Emanuel Donner an Mikro, Violine (die auf dem Album mehrspurig orchestrale Breite annimmt), Gitarre und einer Reihe perkussiv bearbeiteter Gegenstände und Matthias Loitsch, der ebenfalls singende Schlagzeuger. Am Bass findet sich James “Stel” Stelfox, und es könnte gut sein, dass Sie ihn schon wo gesehen haben. Er traf Ginga zum ersten Mal eines Nachts vor nicht allzu langer Zeit, als die Wiener für seine andere Band Starsailor bei einem Konzert in Brüssel die Vorband gaben. In der hierarchisch geordneten Welt des Pop kommt es nicht oft vor, dass ein Musiker den Support-Act so gut findet, dass er fragt, ob er mitspielen darf. Aber, wie wir schon zuvor festgestellt haben, Ginga sind eben diese gewisse Sorte Band. Oder wie Stel es ausdrückt: “I'm a fan.”

Und so kam es zustande, dass vier junge Männer aus Wien, die ihr Album “They Should Have Told Us” in Belgien mit Mons Jegers aufgenommen und in London with Dan Rejmer gemischt haben (zu dessen vormaligen Arbeitgebern Nick Cave und die Foals zählen), sich in einer Band mit einem Working Class-Burschen aus Manchester wiederfanden.

Doch wie Stel bestätigen würde, ist noch eine jener essentiellen Pop-Qualitäten von Ginga der so grundsätzlich kosmopolitische, von geographischen oder sonstigen Grenzen gänzlich unbeeindruckte Charakter ihrer Musik. Das einzige, was Stel an seiner neuen Band ehrlich gesagt nicht so mag, ist ihr Name. Der klingt in den Ohren eines Nordengländers zu sehr nach “ginger”, dem auf allen Spielplätzen von Manchester und Umgebung gängigen Schmähwort für Rotschöpfe. Andererseits bezeichnet Ginga auch einen der wichtigsten Schritte der afro-brasilianischen, tänzerischen Kampfsportart Capoeira, im Volksmund eine populäre Bezeichnung für die magischen Bewegungen brasilianischer Fußballerbeine. Oder, laut Wikipedia zum Zeitpunkt des Schreibens dieser Band-Biographie, den Namen einer gewissen Wiener Band, deren Eintrag demnächst entfernt werden könnte, weil sie von den Administratoren als “non-notable” eingestuft wird. Das, soviel wagen wir vorauszusagen, wird sich bald ändern. Von wegen “They Should Have Told Us”. Soll keiner sagen dürfen.
     
(Robert Rotifer)

Lineup

Alex Konrad
Emanuel Donner
Klemens Wihlidal
Matthias Loitsch
James Stelfox

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