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Kommando Elefant

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Tracklist

Mit keckem Pfeifen eröffnen Kommando Elefant ihr drittes Album „Scheitern als Show“ und bitten uns damit in ihre große Rock-Arena, eine Spielbühne des medialen Showbusiness. Während rundherum die Welt, angefeuert von Wirtschaftskrise, Occupy-Bewegungen, ungerechter Macht- und Vermögensverteilung und zunehmendem Leistungsdruck, in Flammen steht, lässt es sich Sänger und Mastermind Alf Peherstorfer nicht nehmen, uns mit verschmitztem Lächeln die lakonische Phrase D.A.S.I.S.T.O.K.um die Ohren zu hauen. Was sich mit klassisch rockenden Gitarren und brutzelnden Synthiemelodien zu einem Mitsingohrwurm entwickelt, fährt inhaltlich wie eine Achterbahn ungebremst in die dunklen Tiefen der gesellschaftlichen Schadenfreude. Vor dem inneren Auge tauchen Bilder heutiger Castingshows und Reality-Dokus auf, vor denen wir im Alltag stundenlang sitzen, um uns an den Tränen und der Verzweiflung der Kandidaten zu ergötzen.

Insofern ist der Titel „Scheitern als Show“ nicht nur Programm für die meisten Lieder, sondern liefert auf der Metaebene das in sich schlüssige, sich über alle elf Songs entwickelte Konzept des Albums. Warum gerade das Scheitern so eine magische Anziehungskraft besitzt, erklärt sich Alf Peherstorfer damit, dass „man sich abgrenzen kann, damit mein kleines Leben größer und schöner erscheint, als das der anderen. Es ist ja auch wichtig, dass es Klischees gibt und Vorurteile, damit man sich in der Welt positionieren kann.

Dabei nehmen Kommando Elefant keine Haltung ein, in der von oben herab aus sicherer Distanz mit den Fingern auf alle anderen gezeigt wird. In allen Songs wird mit hohem Grad an Selbstreflexion vor der eigenen Tür gekehrt, auch wenn es manchmal weh tut, wie bei Ich bin ein Arschloch.

Kommando Elefant - Video

Denn diese vordergründige Selbstbekenntnis ist laut Alf Peherstorfer auch nur ein Freibrief dafür, sich nicht verändern und keine Verantwortung für sein Handeln übernehmen zu müssen, nur um am Ende des reduzierten Neue-Österreichische-Welle-Popsongs bei etwaigen Fehlverhaltens entgegnen zu können: Ich hab’s Euch ja gesagt, ich bin eben ein Arschloch. Das Scheitern hat bei Kommando Elefant viele Gesichter. Wie in einem Hörbuch entspinnt die Wiener Band eine groß angelegte Geschichte, in der sie die unterschiedlichsten Ebenen des Versagens anhand der Entwicklung verschiedener Charaktere abarbeiten.

Zum Beispiel wenn zu schmachtenden Orgeltönen und marschierendem Rhythmus sich die Sternenmarie mit Drogen eine eigene perfekte Traumwelt aufbaut, deren Glanz sie immer weiter von der Realität wegbringt. Auch hier wird nicht  sozialpornographisch sich am Leid anderer aufgegeilt, sondern mit nachdenklichem Unterton darauf hingewiesen, dass wir alle uns immer wieder gerne eine Portion dieses trügerischen Sternenstaubs die Nase hinaufziehen.

Während Sternenmarie noch als eingängiger Radiohit eine oberflächliche Leichtigkeit versprüht, ist bei dem straighten, Punk-angehauchten Pendant Jennifer das junge Mädchen schon tiefer in die Parallelwelt des Rausches abgetaucht.

Wenn es um das Scheitern an und in Beziehungen geht, dann versinken Kommando Elefant im geliebten Gegenüber voller Hingabe in einem riesigen Ozean aufopfernder Gefühle. Mit hinreißender Melancholie lassen wir uns im breit angelegten Soundmeer treiben und ergeben uns freiwillig seinen harmonischen und hypnotisierenden Stromschnellen. Wenn die angestrebte Symbiose zwischen den Partnern kurz darauf zur kompletten Selbstaufgabe führt, dann bleibt am Ende wohl nur mehr Das letzte Liebeslied anzustimmen.

Denn selbst wenn alle Worte schon gesagt sind und das Schweigen einen wie dämpfende Watte umhüllt, bleibt zumindest die Möglichkeit, die letzte Energie in den definitiven Abschied zu stecken. Und vielleicht flammt dabei auch ein kleiner Hoffnungsschimmer eines darauffolgenden Neuanfangs auf. Sollte auch das nicht mehr helfen, dann bleibt immerhin noch die Flucht in die Anonymität, um all den Druck abzustreifen und für eine Zeit einfach zu verschwinden, um sich neu zu ordnen.

Für den Kommando Elefant-Sänger Alf Peherstorfer gibt es dazu keinen besseren Ort als den Fluchtpunkt Kairo. Inspiriert von einem Håkan Nesser Roman entwickelt sich das musikalische Bild dieser Stadt zum absoluten Höhepunkt des Konzeptalbums.Durchzogen von beschwingter Neugier, sehnsüchtiger Erwartung und einer Zerrissenheit zwischen Selbstzweifel und neu gefasstem Mut wirkt es wie eine Ode an die zerbrechliche, menschliche Seele, die uns zu dem macht, was wir sind.

Der teils rockig raue und trashig krachige, teils elegant ausgewogene und warm dahinfließende Sound wurde aus den Songs selbst geboren. Es wirkt fast so, als wären Sänger Alf Peherstorfer, Keyboarder Bernhard „Luis“ Pasching, Bassist Günther Pauls und Schlagzeuger Thorsten Mahr „nur“ die musikalischen Diener, die dem strengen Kommando der Kompositionen des Scheiterns unterworfen sind.

Selbstläufer war das dritte Werk jedoch keiner, schließlich wurden mit Produzent Alexander Nefzger via Email, Telefon und von Angesicht zu Angesicht einige Krisengespräche ausgefochten, bis diese Show des Scheiterns auf festen Beinen stand. Und es wären nicht die smarten, gewitzten und selbstkritischen Kommando Elefant, wären nicht auch sie bei diesem Album gescheitert. Denn schlussendlich musste gerade der Titelsong „Scheitern als Show“ in den Mistkübel geworfen werden. So ist das hymnische, verzückende Schlussepos Dein fallendes Herz mit seinem orchestralen grand finale als ermutigende Grundaussage des Albums zu verstehen. Nämlich keine Angst vor dem Scheitern zu haben.

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