Zurück zur Startseite

Sado Maso Guitar Club

We love you too

Matthias Krejan hat bei zwei führenden Bands aus der Steiermark seine Finger markant im Spiel. Als Shaking Matthews ist er schon länger mit den Incredible Staggers unterwegs. Beim Songschreiben stellte er irgendwann fest, dass ihm immer mehr Stücke auskamen, die nicht so recht zur Stammcombo passen wollten. Ein weiteres Betätigungsfeld war gefragt und wurde mit dem aus seinen Staggers-Initialen S.M. gebildeten Sado Maso Guitar Club auch gefunden. Der plakative Name prägt sich definitiv ein. Aus einem Soloprojekt wuchs flugs eine fünfköpfige Band heran. Was ihre Mitglieder eint, ist, dass sie die Musik der Sixties und Seventies lieben und keine Angst davor haben, das auch wirklich zu zeigen. Ihre Songs sind schon mal fünf oder sechs Minuten lang und auch sonst alles andere als typisch Indierock. Bei den Sado Maso Gitarren stehen nicht selten längere Soli oder sogar Gitarren-Battles am Programm. Ihr Debütalbum haben die spielfreudigen Hippies übrigens stilecht in einem Haus im Wald erarbeitet. Ja, wir lieben sie auch.
Zum Shop

Tracklist

  • 01. Set Me Free
  • 02. The Marriage
  • 03. The One That Got Away
  • 04. Story Of A Guitar
  • 05. Get The Sound
  • 06. Revolution
  • 07. It‘s Gonna Be Alright
  • 08. A Day (A Script Of Monotony)
  • 09. The Politician
  • 10. The Feeling
  • 11. Run For Your Money
  • 12. Jackpot Cockeyed Girl
  • 13. (Take It As) A Matter Of Time

Alle Titel anzeigen »

Sado Maso Guitar Club - Hörbeispiel

Jackpot Cockeyed Girl

Sado Maso Guitar Club. Ein Name, der übrigens „einfach so“ entstanden ist, nämlich als Frontmann Krejan mit den Initialen seines Künstlernamens bei den Staggers, Shaking Matthews, also SM, herumspielte; und irgendwann – höchstwahrscheinlich zu späterer Stunde – kam es zu dem Bandnamen, der wahrlich als „Earcatcher“ fungiert, weil sich unweigerlich ein bestimmtes Bild aufdrängt – ein Name, der hauptsächlich fasziniert, aber auch hin und wieder mal polarisiert. Zugegeben, negative Reaktionen gab es eigentlich ausschließlich von der erzkatholischen Seite. Da hat anscheinend nicht ein jeder dafür Verständnis, warum sich eine Band nach einer eher tabuisierten Verhaltensform/Sexualpraktik benennt. Was wiederum amüsiert, wenn man bedenkt, dass Krejan nebenbei auch noch studiert und selbst angehender Theologe ist.

Aber zurück zu den Musikern: Die Mitglieder der Band sind allesamt keine Neulinge in der Musikbranche, sondern haben sich schon mit anderen Projekten einen Namen gemacht. So ist Mandl Krejans langjähriger Bandkollege (am Bass) bei den Incredible Staggers, Dominik Krejan ließ Herr und Frau Österreicher mit seiner damaligen Rock-Combo The Scarves aufhorchen, Krüger schwang die Sticks bei der Hardcore-Noise Band Sick of Silence und den Powerpoppern Once Tasted Life und Staber, der sich musikalisch die letzten Jahre eher bedeckt hielt, war mit verschiedenen internationalen Produktionen unterwegs.

Die Musikstile, die die Musiker von SMGC geprägt haben, könnten also unterschiedlicher nicht sein und dennoch harmonieren die fünf auf der Bühne perfekt. Das mag auch daran liegen, dass sie ihre Inspirationen nicht aus nur einer Quelle schöpfen, sondern in ihrem Schaffen die verschiedensten Einflüsse verarbeiten, da, laut Krejan, „Musik zu wertvoll und vielfältig ist, als dass man etwas von vornherein ignorieren könnte.“ Recht hat er. Er persönlich wuchs mit den wilden Klängen der Sechziger und Siebziger auf – die Beatles und die Stones (und zwar beide wirklich gleichermaßen), Led Zeppelin sowie The Who und Tom Petty sind nur ein paar der ganz Großen, die ihn geprägt haben und mitunter dafür verantwortlich sind, dass er in seinem Leben „nichts anderes als Musik machen“ will.

Unüberhörbar bewegen sich die Jungs aber auch auf einer Wellenlänge mit den Briten Kula Shaker oder dem etwas widerspenstigen Brian Jonestown Massacre. Rock meets Psychedelic meets Hippie and a little bit of everything – so kann man das musikalische Output des Quintetts, das gegen jegliche Kategorisierung und engstirniges Schubladendenken immun zu sein scheint – wohl noch am ehesten beschreiben. Fühlt man sich angesichts der großen Vorbilder in vergangene Zeiten versetzt, erweckt SMGC vielleicht den Eindruck einer Revival-Band? Definitiv nicht – man hat einfach nur das durchaus schöne Gefühl, gerade zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Sado Maso Guitar Club - Video

Trotz ihrer unterschiedlichen musikalischen „Vorbelastung“ bilden die Jungs eine Einheit, denn das Wichtigste haben sie ja ohnehin gemein: die Leidenschaft zur Musik; das, gepaart mit instrumentalem Know-how auf höchstem Niveau, macht den SMGC aus. Deshalb ist es auch egal, wenn bei Live-Konzerten hin und wieder mal eine Seite reißt, einer der Verstärker meint streiken zu müssen oder Schlagzeuger Krüger vom Harndrang geplagt die Bühne verlassen muss; das sind dann nämlich die Momente, wo die Musiker ihre Jam-Künste zum Besten geben und in ihrer Professionalität an die amerikanischen Jam-Legenden Phish erinnern.

Was kann man sich vom Debutalbum mit dem überaus verheißungsvollen Titel We Love You Too erwarten? Nun, We Love You Too ist ein äußerst facettenreiches Album (ja, „facettenreich“ und „abwechslungsreich“ sind Wörter, die in Rezensionen überbewertet und leider allzu oft missbraucht werden, hier aber wie die Faust aufs Auge passen), worauf 13 eigenständige Songs präsentiert werden, die trotz ihrer Autonomie ein harmonisches Ganzes bilden. Dieses Ganze könnte beinahe für eine Liebeserklärung an die verrückten Seiten des Lebens gehalten werden; dann erscheint es plötzlich auch ganz normal, dass „cockeyed girls“, eifersüchtige Liebhaber, frauenhassende, eigenbrötlerische Käuze und verlogene Politiker als Hauptakteure in den Lyrics auftreten, ihren Mordgelüsten frönen, sich als Jesus ausgeben und die Macht des Geldes von Grund auf verdammen.

So nebenbei gibt es auch noch Lektionen in Musikerziehung („Get the Sound“) –ein Aufruf, sich nicht von schlechter, monotoner Radiomusik berieseln zu lassen, sondern endlich wieder zuzuhören – und die fünf lassen es sich auch nicht nehmen erneut zur Revolution aufzurufen („Revolution“). Das Album rockt („Set Me Free“ – live übrigens ein wahres Erlebnis, wenn Frontmann Krejan mit erhobenem Zeigefinger seine Stimme höhentechnisch bis zu ihren Grenzen treibt), es groovt („A Day – A Script of Monotony“), verführt mit psychedelischen Klängen einer Sitar bzw. Esraj in indische Sphären („Take it as a Matter of Time“) und sorgt ganz nebenbei auch noch für Gänsehaut („The Feeling“) – von fetzig bis ruhig hat es also einfach alles zu bieten, ohne dabei an Authentizität einzubüßen.

Stichwort Authentizität: Auf diese wird in der Band ohnehin großer Wert gelegt – die Instrumente klingen genauso, wie sie eben klingen sollen, direkt aus dem Verstärker, ohne großes Tamtam. Unverfälschter, geradliniger Gitarrenrock kombiniert mit eingängigen Piano-Melodien, mystischen Sitarklängen, unvergesslichen Banjo-Hooklines und Krejans markant-melancholischer Stimme bilden ein beeindruckendes, dynamisches Klangspektrum, dessen Wirkung man sich unmöglich entziehen kann. Und um sicher zu gehen, dass das Ergebnis dem gewünschten Endprodukt entspricht, wurde das erste „Baby“ natürlich auch selbst produziert, ein großer Teil des Albums in der abgelegenen „Waldheimat“ der beiden Gitarristen aufgenommen und abschließend nach eigenen Vorstellungen abgemischt. Echte Musik von echten Musikern.

Authentischer geht kaum. Wunderbar.
PS: I love you too

Lineup

Matthias Krejan: Guitar/Vocals/Sitar/Banjo
Dominik Krejan: Organ/Vocals
Christoph Mandl: Bass
Felix Krüger: Drums
Daniel Staber: Guitar/Vocs

Zur Website von Sado Maso Guitar Club

Galerie

Der Standard FM4